PJ20

„I always hated that band“, lästert Kurt Cobain in der Doku „PJ20“ von Cameron Crow. Die Rede ist von Pearl Jam, aber gemeint hatte Cobain eigentlich den Grunge-Hype, der Anfang der 90er einsetzte und sich wie ein Erdbeben von Seattle aus über die ganze Welt verbreitete.  Dass Grunge aber weit mehr war als lange Haare, rote Karohemden und ausgelatschte Chucks, die vitale Musikszene Seattles nicht nur Nirvana hervorbrachte, zeigt Crow exemplarisch an Pearl Jam – 20 Jahre nach ihrer Gründung. Er trägt die vielen Puzzleteilchen zusammen, spannt den Bogen bis zur Gegenwart. Die Rückblicke lässt er – jetzt mit dem nötigen Abstand – Ament, Gossard, McCready, Cameron und Vedder selbst vornehmen. Und die erzählen frei weg von der Leber, als stünde kein Kamerateam im Raum. So gelingt Crow das große Ganze, die Geschichte von Pearl Jam wird zum Epos einer Epoche, zumal auch Freunde, Fans und weitere Musiker aus Seattle zu Wort kommen. Es ist ein großer Verdienst Crows, sich der Band soweit zu nähern, dass sie offen über ihre biographischen Brüche sprechen: Den immer noch quälenden Verlust ihres Freundes Andy Wood (Mother Love Bone), den tragischen Heroin-Tod von Kurt Cobain, die verunglückten Konzertbesucher auf dem Roskildefestival 2000. Die Fülle an unveröffentlichtem Bildmaterial sowie die herrlich direkte und authentische Art der Protagonisten macht den Film zu einem Erlebnis, gerade weil sich die Band über so viele Jahre, Katastrophen und Chart-Platzierungen treu geblieben ist. Typisch dafür ist folgende Szene: Als das Kamerateam dem Gitarristen Stone Gossard in seinen Keller folgt, um sich auf die Suche nach Erinnerungsstücken zu machen, stolpern sie zufällig über eine kleine goldene Figur:  „Oh look, what’s there – it’s a Grammy“. Eine der bedeutendsten Auszeichnungen für Musiker – verstaubt im feuchten, dunklen Keller. Das hätte auch Kurt Cobain gefallen. Teen Spirit, alive.